Merkblatt

für Teilnehmer an Abschlussprüfungen in anerkannten Ausbildungsberufen

Auszug aus der „Prüfungsordnung für die Durchführung von Abschlussprüfungen",
den „Richtlinien zur Prüfungsordnung", den „Bewertungsrichtlinien"

Rechtsgrundlagen

Berufsbildungsgesetz (BBiG) vom 14.8.1969, Prüfungsordnung der Industrie- und Handelskammer zu
Münster vom 25. November 1999, Richtlinien zur Prüfungsordnung der Industrie- und Handelskammer zu
Münster und Bewertungsrichtlinien vom 24. November 1982, einschlägige Ausbildungsordnung, alle in der
jeweils gültigen Fassung.

1. Prüfungsgegenstand

Durch die Abschlussprüfung ist festzustellen, ob der Prüfungsteilnehmer die erforderlichen Fertigkei-
ten beherrscht, die notwendigen praktischen und theoretischen Kenntnisse besitzt und mit dem ihm
im Berufsschulunterricht vermittelten, für die Berufsausbildung wesentlichen Lehrstoff vertraut ist.
Die Ausbildungsordnung ist zugrunde zu legen.

2. Prüfungstermine

Die Industrie- und Handelskammer führt im Jahr an zwei Terminen Abschlussprüfungen durch,

- die Sommerprüfung, die in der Regel in den Monaten April/Mai beginnt und in der Regel vor
Beginn der Sommerferien abgeschlossen ist;

- die Winterprüfung, die in der Regel in den Monaten November/Dezember beginnt und in der
Regel mit Ablauf des Monats Januar abgeschlossen ist.

Diese Termine, einschließlich der Antrags- und Anmeldefristen, gibt die Kammer rechtzeitig, in der
Regel drei Monate vorher, in ihrem Mitteilungsblatt bekannt.

3. Zulassungsvoraussetzungen

Zur Abschlussprüfung wird zugelassen

- im Sommer, wessen Ausbildungszeit zwischen dem 1. April und dem 30. September endet,

- im Winter, wessen Ausbildungszeit zwischen dem 1. Oktober und dem 31. März endet,

- wer nachweist, dass er an der vorgeschriebenen Zwischenprüfung teilgenommen sowie die vor-
geschriebenen Ausbildungsnachweise (Berichtshefte) geführt hat.

4. Anmeldung

Die Anmeldung zur Prüfung erfolgt schriftlich nach den von der Industrie- und Handelskammer
bestimmten Anmeldefristen und -formularen durch den Ausbildenden mit Zustimmung des Auszu-
bildenden.

In besonderen Fällen kann der Prüfungsbewerber selbst den Antrag auf Zulassung zur Prüfung
stellen. Dies gilt insbesondere bei Wiederholungsprüfungen (s. Ziffer 10), falls ein Ausbildungs-
verhältnis nicht mehr besteht.

 

 


Die Termine für die Rückgabe der vollständigen Anmeldeunterlagen sind

für die Sommerprüfung jeweils der 10. März und
für die Winterprüfung jeweils der 10. September.

Prüfungsbewerber, die 14 Tage vor dem Anmeldeschlußtermin evtl. keinen Anmeldebogen erhalten
haben, sollten sich unverzüglich bei der Industrie- und Handelskammer melden.

5. Zulassung

Über die Zulassung zur Abschlussprüfung entscheidet die Industrie- und Handelskammer. Hält sie
die Zulassungsvoraussetzungen nicht für gegeben, so entscheidet der Prüfungsausschuss.

Die Zulassung kann vom Prüfungsausschuss bis zum Tag der letzten Prüfungsleistung widerrufen
werden, wenn sie aufgrund von gefälschten Unterlagen oder falschen Angaben ausgesprochen
wurde.

6. Ausweispflicht und Belehrung

Die Prüfungsteilnehmer haben sich auf Verlangen des Vorsitzenden oder des Aufsichtsführenden
über ihre Person auszuweisen. Sie werden vor Beginn der Prüfung über den Prüfungsablauf, die zur
Verfügung stehende Zeit, die erlaubten Arbeits- und Hilfsmittel, die Folgen von Täuschungshand-
lungen und Ordnungsverstößen informiert.

7. Täuschungshandlungen und Ordnungsverstöße

Prüfungsteilnehmern, die eine Täuschungshandlung begehen, ist vom Aufsichtsführenden die wei-
tere Teilnahme nur unter Vorbehalt zu gestatten. Bei einer erheblichen Störung des Prüfungsablaufes
kann der Aufsichtführende den Prüfungsteilnehmer von der weiteren Teilnahme an der Prüfung aus-
schließen.

Über den endgültigen Ausschluss und die Folgen entscheidet der Prüfungsausschuss nach Anhören
des Prüfungsteilnehmers. In schwerwiegenden Fällen, insbesondere bei vorbereiteten Täuschungs-
handlungen, kann die Prüfung für nicht bestanden erklärt werden. Das gleiche gilt bei innerhalb eines
Jahres nachträglich festgestellten Täuschungen.

8. Rücktritt und Nichtteilnahme

Der Prüfungsbewerber kann nach erfolgter Anmeldung rechtzeitig vor Beginn der Prüfung durch
schriftliche Erklärung zurücktreten. In diesem Fall gilt die Prüfung als nicht abgelegt.

Tritt der Prüfungsbewerber nach Beginn der Prüfung zurück, so können bereits erbrachte, in sich
abgeschlossene Prüfungsleistungen nur anerkannt werden, wenn ein wichtiger Grund für den Rück-
tritt vorliegt (z.B. im Krankheitsfalle oder durch Vorlage eines ärztlichen Attestes).

Erfolgt der Rücktritt nach Beginn der Prüfung oder nimmt der Prüfungsbewerber an der Prüfung nicht

teil, ohne dass ein wichtiger Grund vorliegt, so gilt die Prüfung als nicht bestanden.

Über das Vorliegen eines wichtigen Grundes entscheidet die Kammer, ggf. der Prüfungsausschuss.

9. Gliederung und Bewertung der Prüfung

Soweit die Ausbildungsordnung nichts anderes bestimmt, besteht die Prüfung aus einer Kenntnis-
und /oder Fertigkeitsprüfung. Die Kenntnisprüfung gliedert sich in Prüfungsfächer, die Fertigkeits-
prüfung kann aus Arbeitsprobe(n), Prüfstück(en), Prüfungsarbeit(en) bestehen.


Kenntnisprüfung

Die Kenntnisprüfung wird schriftlich durchgeführt. Sie kann in programmierter und/oder konventio-
neller Form durchgeführt werden. Die Auswertung der programmierten Aufgaben wird mittels der
Datenverarbeitung oder einer Lösungsschablone vorgenommen.

In folgenden Fällen wird eine mündliche Prüfung durchgeführt:

1. Im Fach „Praktische Übungen" (gilt nur für kaufmännische Ausbildungsberufe) wird eine mündli-
che Prüfung (in der Regel 30 Minuten je Teilnehmer) durchgeführt. Der Prüfungsteilnehmer soll in
einem Prüfungsgespräch zeigen, dass er anhand betriebspraktischer Vorgänge und Tatbestände
betriebliche und wirtschaftliche Zusammenhänge versteht und praktische Aufgaben lösen kann.

2. Die Ausbildungsordnung schreibt eine mündliche Prüfung verbindlich vor.

3. Der Prüfungsausschuss beschließt, dass ein schriftlich geprüftes Fach durch eine mündliche
Prüfung von etwa 15 Minuten je Prüfungsfach ergänzt wird, wenn dies im Einzelfall für das
Bestehen der Prüfung von wesentlicher Bedeutung ist.

Bei der Ermittlung des Ergebnisses für dieses Prüfungsfach sind die Ergebnisse der schriftlichen
Arbeit und der mündlichen Ergänzungsprüfung im Verhältnis 2:1 zu gewichten.

 

Fertigkeitsprüfung

a) nur für gewerblich-technische Ausbildungsberufe

Die Arbeitszeit ist so festgelegt, dass die Prüfungsarbeit ohne Zeitdruck erstellt werden kann. In
der Arbeitszeit ist die Zeit für das Lesen von Zeichnungen oder Arbeitsanweisungen enthalten.
Bewertet werden nur die Leistungen, die in der Prüfung erbracht werden. Für die Bewertung einer

Prüfungsarbeit ist der zur Aufgabe gehörende Bewertungsbogen maßgebend.
Auf dem Bewertungsbogen sind die einzelnen Bewertungsstellen in Bewertungsgruppen gegliedert:

objektive Bewertung                 Maßhaltigkeit
Maßergebnisse

und/oder

subjektive Bewertung                 Funktionskontrolle
Sichtkontrolle

Für die Bewertung der einzelnen Leistungen sind im Bewertungsbogen Bewertungsstellen vor-
gegeben.

Die Einzelleistungen bei objektiver Bewertung werden mit 10 oder 0 Punkten bewertet.
10 Punkte Der Istwert liegt innerhalb der vorgeschriebenen Toleranz.
0 Punkte Der Istwert liegt außerhalb der vorgeschriebenen Toleranz.

Die Einzelleistungen in den subjektiv bewertbaren Bewertungsgruppen werden nach folgender
IDer-Punkte-Abstufung bewertet:

10 Punkte = einwandfrei
9 Punkte = sehr geringe Mängel
7 Punkte = geringe Mängel

5 Punkte = erhebliche Mängel, eben noch brauchbar
0 Punkte = unbrauchbar

Soweit die Ausbildungsordnung nichts anderes bestimmt (z.B. Sperrfächer), ist die Fertigkeits-
prüfung bestanden, wenn insgesamt mindestens ausreichende Leistungen (50 Punkte) erreicht
wurden.

b) nur für kaufmännisch-verwandte Ausbildungsberufe

Bei kaufmännisch verwandten Ausbildungsberufen wird neben der schriftlichen und mündlichen
Prüfung (Kenntnisprüfung) eine Fertigkeitsprüfung durchgeführt. Die Bewertung und Gewichtung
der Prüfungsleistungen regeln sich - soweit die Ausbildungsordnung nichts anderes bestimmt -
nach den Rechtsvorschriften oder Richtlinien der Kammer, die von den zuständigen Ausschüssen
beschlossen worden sind.


Bewertung

Die Prüfungsleistungen gemäß der Gliederung der Prüfung sowie die Gesamtleistungen werden
- unbeschadet der Gewichtung von einzelnen Prüfungsleistungen aufgrund der Ausbildungsord-
nungen oder, soweit diese darüber keine Bestimmungen enthalten, aufgrund der Entscheidung des
Prüfungsausschusses - wie folgt bewertet:

eine den Anforderungen in besonderem Maße entsprechende Leistung
=100-92 Punkte = Note 1 = sehr gut,

eine den Anforderungen voll entsprechende Leistung
= unter 92-81 Punkte = Note 2 = gut,

eine den Anforderungen im allgemeinen entsprechende Leistung
= unter 81 -67 Punkte = Note 3 = befriedigend,

eine Leistung, die zwar Mängel aufweist, aber im Ganzen den Anforderungen noch entspricht
= unter 67-50 Punkte = Note 4 = ausreichend,

eine Leistung, die den Anforderungen nicht entspricht, jedoch erkennen läßt, dass Grundkenntnisse

vorhanden sind

= unter 50-30 Punkte = Note 5 = mangelhaft,

eine Leistung, die den Anforderungen nicht entspricht und bei der selbst die Grundkenntnisse

lückenhaft sind

= unter 30-0 Punkte = Note 6 = ungenügend.

10. Feststellung des Prüfungsergebnisses

Die Prüfung ist insgesamt bestanden - soweit die Ausbildungsordnung nichts anderes bestimmt -,
wenn bei Ausbildungsberufen ohne Fertigkeitsprüfung in der Kenntnisprüfung, bei Ausbildungs- berufen mit Fertigkeitsprüfung in der Kenntnisprüfung und der Fertigkeitsprüfung mindestens aus-
reichende Leistungen erbracht sind.
Die Prüfung ist bei Ausbildungsberufen ohne Fertigkeitsprüfung dann nicht bestanden, wenn

a) in zwei der mehr der schriftlich geprüften Fächer keine mindestens ausreichenden Leistungen
erbracht wurden, oder

b) in dem nur mündlich geprüften Fach keine mindestens ausreichenden Leisungen erzielt wurden.

Der Prüfungsausschuss stellt unverzüglich nach der letzten Prüfungsleistung das Ergebnis der
Prüfung fest und teilt dem Prüfungsteilnehmer mit, ob er die Prüfung

„bestanden" oder „nicht bestanden"

hat. Hierüber wird ihm eine vom Vorsitzenden unterzeichnete Bescheinigung ausgehändigt oder
zugestellt. Als Termin des Bestehens bzw. Nichtbestehens ist der Tag der Feststellung des
Prüfungsergebnisses und der Tag der letzten Prüfungsleistung einzusetzen.
Über die bestandene Prüfung erhält der Prüfungsteilnehmer von der Industrie- und Handelskammer
ein Zeugnis.

Bei nicht bestandener Prüfung erhalten der Prüfungsteilnehmer-ggf. sein gesetzlicher Vertreter -
sowie der Ausbildende von der Kammer einen schriftlichen Bescheid. Darin ist angegeben, in
welchen Prüfungsteilen und Prüfungsfächern ausreichende Leistungen nicht erbracht worden sind
und welche Prüfungsleistungen in einer Wiederholungsprüfung nicht wiederholt werden müssen.

Nach Abschluss der Prüfung kann der Prüfungsteilnehmer auf Antrag in der Kammer Einsicht in
seine Prüfungsunterlagen nehmen.

11. Wiederholung der Prüfung

Eine nicht bestandene Abschlussprüfung kann zweimal wiederholt werden.

Hat der Prüfungsteilnehmer bei nicht bestandener Prüfung in einem Prüfungsteil (Fertigkeiten,
Kenntnisse) oder in einem Prüfungsfach mindestens ausreichende Leistungen erbracht, so ist dieser
Teil oder dieses Fach auf Antrag des Prüfungsteilnehmers nicht zu wiederholen, sofern sich dieser
innerhalb von zwei Jahren - gerechnet vom Tage der Beendigung der nicht bestandenen Prüfung an
- zur Wiederholungsprüfung anmeldet. Das gleiche gilt, wenn nach Bestimmung des Prüfungsaus-
schusses in bestimmten Prüfungsfächern bei Prüfstücken, Prüfungsarbeiten oder Arbeitsproben
eine Wiederholung nicht erforderlich ist oder eine Befreiung von der Wiederholung der Prüfung aus-
gesprochen wurde.

Die Prüfung kann frühestens zum nächsten Prüfungstermin wiederholt werden.


Hilfsmittel Taschenrechner

Für die Abschlussprüfung ist ein netzunabhängiger, nicht programmierbarer Taschenrechner als „erlaub-
tes Hilfsmittel" für die Lösung von Rechenvorgängen zugelassen.

Die Benutzung eines Taschenrechners liegt im Ermessen des Prüflings. Das mit der Benutzung verbun-
dene Risiko - Ausfall des Gerätes, fehlerhaftes Funktionieren, falsche Handhabung - muß der Prüfungs-
teilnehmer selbst übernehmen; Einwände gegen ein festgestelltes Prüfungsergebnis können aus
diesem Grunde nicht erhoben werden.

Durch den Einsatz eines Taschenrechners dürfen die Mitprüflinge und der Prüfungsablauf nicht gestört
werden. Das Ausleihen oder die Weitergabe des Taschenrechners während der Prüfung ist nicht ge-
stattet. Zuwiderhandlungen gelten als Täuschungsversuch.
Der Taschenrechner gehört nicht zu den Ausbildungsmitteln, die der Ausbildende dem Auszubildenden
zur Ablegung von Abschlussprüfungen kostenlos zur Verfügung zu stellen hat.